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Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren

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ISBN 978-3000-356-193

 

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Inhaltsübersicht
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Künstler und Geschichte

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16.Jahrhundert

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Im 16.Jahrhundert suchten die Künstler und Drucker einen Ersatz für den zeit- und arbeitsaufwändigen Kupfer- und Holzstich, mit dem sie Zeichnungen, Illustrationen und Stadtansichten vervielfältigten. Dürer verwendete anfangs Eisenplatten für die Ätzung, eine Technik, die er wohl den Waffen- und Schmuckherstellern abgeschaut hatte.

Die Ätzradierung bot gegenüber dem Kupferstich den Vorteil des schnellen Arbeitens und einer freien Strichführung. Mit der Entwicklung des internationalen Handels und Kunsthandels bildeten sich Verlage, deren Absatzmarkt das gesamte Europa war. Diese trugen in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Italien zu einer schnellen Verbreitung der Ätzradierung bei. Das zu Wohlstand gekommene Bürgertum der Kaufleute war als Absatzmarkt für wohlfeile Reproduktionen von Gemälden oder Landschafts- und Stadtdarstellungen ("Veduten") vorhanden. So stand zu Beginn der Entwicklung eher der handwerkliche als der künstlerische Aspekt im Vordergrund.

17.Jahrhundert

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Im 17.Jahrhundert kamen die Künstler zu überragenden Leistungen, vor allem durch die Entdeckung der Stufenätzung. Jaques Callot (1592-1635) und Claude Lorrain (1600-1682) entwickelten die Radierung zu einem eigenständigen Mittel freier künstlerischer Entfaltung. Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) brachte die Strichätzung schließlich zur Perfektion.

18.Jahrhundert

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Im 18.Jahrhundert waren in Italien Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770) und Giovanni Battista Piranesi (1720-1778), in Spanien Francisco José de Goya (1746-1828) die herausragenden Radierer. In Deutschland müssen Daniel Chodowiecki (1726-1801) und Johann Elias Ridinger (1698-1767) genannt werden, in England John Flaxman (1726-1826) und William Blake (1757-1827).

In Frankreich wurde die Radierung zu dieser Zeit noch als „gravure en eau forte“ bezeichnet, Im Unterschied zur „gravure au burin“, dem Kupferstich. Die Erfindung der Aquatinta-Radierung wird Jan Baptiste Le Prince (1734-1781) zugeschrieben. Sie eröffnete neue Möglichkeiten der Darstellung, die vor allem Goya virtuos einsetzte. Grauwerte konnten nun schnell und einfach erzeugt werden. Die Aquatinta ermöglichte erstmals durch Übereinanderdruck mehrerer Platten farbige Drucke. Bunte Aquarelle konnten von nun an mit einer Drucktechnik reproduziert werden.

Ende des 18.Jh. wurde die Radierung durch die Erfindung der Lithographie als Mittel der Vervielfältigung und Reproduktion vorläufig abgelöst.

19.Jahrhundert

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Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts begann eine neue Belebung der Technik, vor allem in der Kombination von Ätzung, Kaltnadel, Aquatinta, Crayon- und Schabtechnik. Die Radierung erhielt eine neue Eigenständigkeit als künstlerisches Ausdrucksmittel.

20.Jahrhundert

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Emile Besnard (1868-1941) erfand die Zinkographie. Matisse setzte die Radierung vorwiegend für seine Umrißzeichnungen ein, Braque, Chagall, Rouault verwendeten die Radierung.

Zum Umgang mit der Drucktechnik sei exemplarisch Picasso angeführt:

Er arbeitete und experimentierte virtuos mit Radierung, Aquatinta, Direktätzung und Aussprengtechniken. Picasso illustrierte im Auftrag verschiedener Pariser Verleger mehrere Gedichte mit Radierungen, die in Auflagen von 100-250 Exemplaren erschienen. Er arbeitete dabei mit mehreren Druckern zusammen, die für ihn den Auflagendruck seiner Platten durchführten. Die Verwendung von Drucktechniken hatte für Picasso und andere etablierte Künstler durchaus auch markttaktische Gründe, weil zu jener Zeit Gemälde bereits Preisregionen erreicht hatten, die für viele unerschwinglich geworden waren. Die etablierten Künstler wollten die weniger Betuchten als Kunden nicht verlieren und boten diesem Personenkreis die günstigere Drucktechnik. Die Serien über Stiere, die Picasso damals fertigte und von jedem Zustand mit etwa 15-20 Exemplaren vermarktete, hatten zudem eine weitere Qualität: Man konnte (und kann) ihm in diesen Druckserien „bei der Arbeit über die Schulter sehen“, beobachten, welche Weiterentwicklung und neue Idee in jedem Zustandsdruck hinzukam. Dies macht auch eine der großen Qualitäten und Vorteile der Druckgrafik gegenüber anderen künstlerischen Techniken aus.

Auch Dali arbeitete virtuos mit der Radierung, wobei er ebenfalls Werkstätten mit der Ausführung und Druck, sowie Kolorierung beauftragte. (Bei Auflagen von 250 Stück kein Wunder.) Dali mixte munter Aquatinta und Lithografie, Heliogravüre und Strichätzung. Bei ihm habe ich zuerst sogenannte „wood-etchings“ gesehen, die ich erst für farbige Aquarelle hielt. Dali vermarktete sich und seine Werke professionell, seine Radierungen ließ er auf Papier drucken, das mit seinem eigenen Wasserzeichen versehen ist.

Die Entwicklung der Radierung nach 1945 wurde entscheidend durch die Experimente von Stanley William Hayter (geb.1901) beeinflusst, der in seinem 'Atelier 17' in New York mit anderen Künstlern die Bandbreite der Bearbeitungmöglichkeiten gewaltig verbreiterte und neue Farbverfahren entwickelte. In Paris experimentierten und lernten viele Künstler bei Johnny Friedländer in der Werkstatt der Druckerei Desjobert dessen Farbtechniken. Die Maler und Zeichner („peintre-graveurs“) Marc Chagall, Henri Matisse, Fernand Leger, Renato Guttuso, Pierre Soulages und André Masson, Fritz Winter, Willi Baumeister und Hans Arp, die Bildhauer („sculpteur-graveurs“) Henry Moore, Lynn Chadwick, Marino Marini, Ossip Zadkine und Fritz Wotruba und viele andere mehr hatten ebenso wie Picasso nach 1945 die Druckgrafik als künstlerische Ausdrucksform für sich wiederentdeckt. Durch Tiefätzungen und Auflöten von Drähten oder Metallstücken kamen haptische Wirkungen hinzu. Licht und Schatten wurden zu Mitteln der Radierung. In Fluxus und HNiki de Saint Phalle Interessante und wirkungsvolle Arbeiten in dieser Form hat Rolf Nesch (geb. 1893) geschaffen. Die Künstler des Informel und des Abstrakten Expressionismus nutzten die grafische Wirkung. Sie experimentierten mit Strukturen und farbigen Übereinanderdrucken, ätzten Platten zum Teil tagelang, so dass Farben krustenähnlich und milimeterstark auf dem Papier liegen. Jean Fautrier, Peter Brüning, K.R.H.Sonderborg sind zu nennen.

In der Pop-Art zählte die Vervielfältigbarkeit. Gerade im Bereich der Druckgrafik war in den 60er Jahren ein expandierender Absatzmarkt für die Künstler vorhanden. David Hockney, Jasper Johns und Richard Hamilton, als Maler berühmt, radierten ebenfalls. Christo überdenkt und finanziert seine Großprojekte mit Druckgrafik.

Die kritischen und phantastischen Realisten der 70er Jahre arbeiteten vor allem mit der fotoähnlichen Aquatinta, so Peter Sorge und Paul Wunderlich.

Die Rückbesinnung der 80er Jahre auf Ethno-Kunst brachte die Pinselätzung mit ihrem breiten, urwüchsigen Strich zur Geltung, aber auch die Vernis-Mou, die freie, expressive Strichführungen zulässt. Als großartige Radierer unserer Zeit seien noch Friedrich Mekseper (*1936), Bernhard Luginbühl und Horst Janssen genannt.


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Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren
Tipps, Tricks, Anleitungen und Rezepte aus fünf Jahrhunderten
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* 6. erweiterte Auflage 2010
* 230 Seiten
* 120 Abbildungen & 13 Tafeln
* 700 gr
* 29,5 x 21 cm
* 29 €uro
* ISBN 978-3-00-035619-3

* Bezugsquellen

Leseproben(PDF):
* Grundlagen
* Reservage
* Edeldruckverfahren
* Chemikalienverzeichnis
* Inhaltsverzeichnis

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